Reverdy, Thomas: Es war einmal eine Stadt

Rezension Thomas Reverdy – Es war einmal eine Stadt

 

Klappentext:

Der Traum des grenzenlosen Kapitalismus, der Traum von Reichtum und Fortschritt, ist im September 2008 endgültig geplatzt. Das gilt für Eugène, den gescheiterten Manager genau wie für die Stadt, in die man ihn geschickt hat: Detroit – einst das Herz der aufstrebenden Industrienation USA – jetzt nur noch Rost und Ruinen. Hier kreuzt Eugènes Weg den von Charlie, einem Zwölfjährigen, der sich auf die falschen Freunde eingelassen hat. Er trifft Gloria, Charlies Großmutter, die Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um den mittlerweile verschwundenen Jungen wiederzufinden. Außerdem Lieutenant Brown, dessen Job es ist, solche Kinder zu suchen. Und dann noch Candice, die Kellnerin mit dem »strahlenden, roten Lächeln«. Raffiniert spielt Thomas Reverdy mit Versatzstücken des Noir-Genres, um das Ende einer lange gültigen Vorstellung der Moderne in Moll zu besingen.

Meinung:

2008 liegt die Wirtschaft am Boden und besonders in der schon maroden Stadt Detroit macht sich das bemerkbar. Am Abend vor dem großen Crash trifft der Franzose Eugène dort ein. Er soll dort seine Firma vertreten und eine neue Entwicklung vorantreiben. Sein Weg kreuzt den des 12-jährigen Charlie, der sich mit seinen Freunden durch die Stadt treiben lässt und auf Abwege gerät. Seine Großmutter macht sich auf die Suche nach dem Kind, ebenso wie Lieutenant Brown, der dem Geheimnis um verschwundene Kinder auf der Spur ist. Und er trifft auf die Kellnerin Candice.

Wie man schon vermutet, sind alle Lebenswege hier miteinander verknüpft, streifen einander oder greifen ineinander. In langen, verspielten Sätzen zeichnet der Autor hier ein detailliertes Bild über die zum Teil sehr trostlose Stadt Detroit. Man spürt förmlich die Verzweiflung zwischen den Seiten, die Tristesse, die die Figuren begleitet und wünscht sich oftmals ein besseres Leben für sie.

Eindrucksvoll schildert der Autor hier eine Stadt am Abgrund, der sämtliche Perspektiven abhandengekommen sind am Schicksal seiner Figuren. Fängt die Geschichte recht behäbig an, mausert sie sich dann aber ab dem ersten Drittel und entwickelt sich von einer Milieu-Studie zu einem regelrechten Krimi, um den Leser dann ernüchtert und nachdenklich zurückzulassen.

Trotz der relativen Kürze des Romans empfand ich die Ausarbeitung als unheimlich dicht. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, weisen Tiefe und Charakter auf, spiegeln einen Teil der Gesellschaft wieder und schaffen es, den Leser zu packen.

 

Fazit:

Es war einmal eine Stadt ist unheimlich poetisch und umfassend erzählt, trotz seiner relativen Kürze. Der behutsame Einstieg mausert sich nach und nach zu einem packenden Pageturner, der den Leser nachdenklich gestimmt zurück lässt.

Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.

Preis

Gebunden: 22,00 Euro

 

Verlag: Berlin Verlag
ISBN: 978-3-8270-1345-3
Seitenzahl: 288
Übersetzer: Brigitte Große

Vielen Dank an den Berlin Verlag für das Rezensionsexemplar.
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