Kraus, Chris: Das kalte Blut

Rezension Chris Kraus – Das kalte Blut

 

Klappentext:

Zwei Brüder aus Riga machen Karriere: erst in Nazideutschland, dann als Spione der jungen Bundesrepublik. Die Jüdin Ev ist mal des einen, mal des anderen Geliebte. In der leidenschaftlichen Ménage à trois tun sich moralische Abgründe auf, die zu abenteuerlichen politischen Ver­wicklungen führen. Die Geschichte der Solms ist auch die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert: des Untergangs einer alten Welt und die Erstehung eines unheimlichen Phönix aus der Asche.

Meinung:

Mit Das kalte Blut hat Chris Kraus hier ein nahezu episches Werk geschaffen und erzählt die Geschichte der Brüder Koja und Hub von ihrer frühen Kindheit in den 1910er Jahren bis in die 1970er Jahre. Zu Anfang lernen wir Koja kennen. Dieser liegt mit einer gefährlichen Schussverletzung im Krankenhaus und erzählt dem neben ihm liegenden Patienten seine Lebensgeschichte. Und so reist der Leser vom einstigen deutschen Ostpreußen durch die Jahrzehnte und Länder, bis sich schließlich die Geschichte im Krankenhaus schließt.

Chris Kraus greift dabei gerade in den Anfängen ein mir nicht ganz so gegenwärtiges Thema auf: Die Region Ostpreußen und ihre Entwicklung im Verlauf der Jahrzehnte. Gerade diese erste Zeit bis zum Ende des zweiten Weltkrieges fand ich thematisch besonders spannend und hielt für mich sehr viele neue Informationen und Blickwinkel bereit. Denn nicht nur die Hintergründe hat der Autor gut untergebracht, auch sprachlich weiß er den Leser an sein Mammutwerk zu fesseln. Wie ein Film läuft das Geschehen vor dem inneren Auge ab, ungeschönt und brutal, aber auch menschlich und verzweifelt entwickelt sich die Handlung. Und trotz der vielen dunklen Momente finden sich immer genug Lichtblicke in Kojas Leben. Und wenn es gar zu dunkel wird, versetzt uns Chris Kraus wieder ins Krankenzimmer, wo Koja seine Absolution erhofft und dem Leser so eine Atempause gewährt wird.

So umfassend, wie die Geschichte ist, so vielschichtig sind auch seine Protagonisten. Chris Kraus lässt ihnen viel Raum sich hier zu entfalten, und da man sie durch mehrere Jahrzehnte begleitet, kann man hautnah ihre Entwicklung und Reife verfolgen. Man baut dabei Sympathien und Antipathien auf, mag die Hauptfiguren manchmal mehr, und manchmal weniger, und doch kann man deren Handlungen und Beweggründe immer nachvollziehen.

Leider bleibt die Geschichte nicht ganz ohne Längen aus, trotzdem lohnt sich das Buch allein schon von seiner Geschichte und den gut recherchierten Hintergründen, welche die kleine Längen in der Handlung wieder wettmachen.

 

Fazit:

Mit Das kalte Blut hat Chris Kraus hier ein Mammutwerk geschaffen, das Blockbuster-Qualitäten aufweist. Es ist richtig gut recherchiert, trotz ein paar Längen spannend bis zur letzten Seite und hält richtig viel Lesezeit bereit 🙂

Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.

 

Preis

Gebunden: 32,00 Euro

 

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06973-0
Seitenzahl: 1200

Quelle: http://www.diogenes.ch/leser/titel/chris-kraus/das-kalte-blut-9783257069730.html

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.
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6 Gedanken zu “Kraus, Chris: Das kalte Blut

  1. Hallo Vanessa,
    das Buch interessiert mich auch ungemein, allein der gewaltige Umfang hat mich bisher von der Lektüre abgehalten. Die Meinungen dazu gehen ja ziemlich auseinander. Es steht trotzdem auf meiner Wunschliste, mal schauen, wann ich dazu komme 😉
    Liebe Grüße
    Thomas

    • Hallo Thomas,
      ja, es schreckt schon ein wenig ab, wenn Bücher so viele Seiten haben, besonders wenn es immer so viele andere Bücher gibt, die einen sonst noch interessieren. Aber falls du dich an das Buch herantrauen solltest, bin ich schon jetzt auf deine Meinung dazu gespannt 😉
      Liebe Grüße,
      Vanessa

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