Rutschmann, Martina: Durstig

Rezension Martina Rutschmann – Durstig

 

Klappentext:

Alixe kann dem Sterben nicht mehr zusehen. Sie kündigt ihren Job auf der Krebsstation und beginnt mit dem Ausverkauf ihres bisherigen Lebens, um über die Runden zu kommen. Über Fabian, mit dem sie eine lose Liebschaft beginnt, macht sie Bekanntschaft mit dem bald 94-jährigen Forscher Carl. Die Mittdreissigerin fühlt sich wohl in der Gegenwart des charismatischen alten Mannes, aus dessen bewegtem Leben sie viel erfährt. Alixe beginnt versöhnlicher auf ihr eigenes Leben zu blicken. Sie lässt sich auf eine Beziehung mit Fabian ein, eine unbeschwerte Zeit beginnt. Doch diese dauert nicht lange. Alixe erfährt, dass Carl sie zur Sterbebegleiterin machen möchte und Fabian sie dazu überreden soll. Die Vergangenheit holt sie ein, plötzlich geht es wieder um den Tod.

Meinung:

Jahrelang hat Alixe in der Onkologie als Krankenschwester gearbeitet, nun hat sie genug davon, den Menschen beim Sterben zuzusehen. Sie kündigt, zum Entsetzen ihrer Mutter. Über die Facebook-App Tinder lernt sie Fabian kennen, der sie mit dem fast 94-jährigen Carl bekannt macht. Carl selber ist des Lebens müde und erkennt in Alixe die Frau, die seiner geliebten Rosa damals in den letzten Tagen beigestanden hat. Deshalb beschließt er, dass Alixe ihm beim Sterben zur Seite stehen soll. Alixe selber weiß nichts von ihrem „Glück“, denn Fabian wird mit der schweren Aufgabe betraut, Alixe davon in Kenntnis zu setzen.

Ich muss sagen, ich war ein wenig überrumpelt, als ich mit dem Lesen begann. Der auf der Rückseite des Buchs aufgedruckten Inhaltsbeschreibung hätte ich niemals so eine schwermütige Thematik zugetraut. Aber obwohl das zentrale Thema des Buchs sehr bedrückend wirkt, denn wer setzt sich schon gerne mit dem Tod auseinander, ist dieses Buch alles andere als melancholisch. Mit einem beschwingten Ton erzählt Martina Rutschmann hier eine sehr eindringliche und doch sehr lebensbejahende Geschichte über Menschen, die sich angesichts schwerer und ernster Themen einander zuwenden, sich helfen und unterstützen. Und so geht es im Buch nicht nur um das Thema Sterben und Sterbehilfe, sondern auch darum, wie wichtig es ist, seine Träume zu verwirklichen und sich von eingefahrenen Routinen und Wegen zu lösen, und einfach mal über seinen eigenen Schatten zu springen und die Dinge etwas weitsichtiger zu betrachten.

Die Charaktere sind sehr interessant gestaltet. Sie sind vielschichtig, kompliziert und menschlich. Alixe z. B. hat sich in ihrem Leben festgefahren und ist äußerst unglücklich damit. Zum Vater hat sie den Kontakt verloren, mit der Mutter lässt sich kaum über Persönliches sprechen, denn schließlich hat Alixe doch einen guten Job und ein geregeltes Einkommen. Was will man da mehr? Aber auch Carl ist eine faszinierende Persönlichkeit, die zu entdecken ich hier viel Spaß hatte. Die Charaktere greifen sehr gut ineinander und sorgen mit dafür, dass dieser Roman so reibungslos funktioniert.

Denn neben den Figuren und dem Inhalt der Geschichte konnte mich das Buch auch sprachlich packen. Martina Rutschmann hat eine sehr schöne, manchmal etwas ungewöhnliche Erzählweise, die mich ein paar neue Wörter gelehrt hat und dafür sorgte, dass ich das Buch quasi in einem Rutsch las. Der Roman ist in mehrere Zeitebenen gegliedert, wechselt von der Gegenwart in die nahe oder weite Vergangenheit, bleibt aber übersichtlich. Der Plot ist so gut ausgearbeitet, das keine Längen im Roman auftauchen.

 

Fazit:

Durstig hat sich zu einer richtig kleinen Leseperle entwickelt. Eine klug konstruierte, fesselnde Geschichte mit einer immer wieder aktuellen Thematik, die sehr unterhaltsam, aber auch nachdenklich machend umgesetzt wurde. Ein Roman, der definitiv mehr Aufmerksamkeit bedarf und von mir eine klare Leseempfehlung erhält.

Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.

 

Preis

Gebunden: 32,00 Euro

 

Verlag: Zytglogge
ISBN: 978-3-7296-0950-1
Seitenzahl: 272

Quelle: http://www.zytglogge.ch/shop/suche/detail/?tx_gishop_pi1%5Bpuid%5D=999

Vielen Dank an den Zytglogge Verlag für das Rezensionsexemplar.
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2 Gedanken zu “Rutschmann, Martina: Durstig

  1. Hi Vanessa,
    auf dieses Buch wurde ich auch schon aufmerksam – es sticht einem aber auch einfach ins Auge 🙂 Ich bin sehr neugierig auf die Geschichte, vor allem, wenn sie für dich eine Leseperle war!
    Liebe Grüße,
    Anna

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