Mbue, Imbolo: Das geträumte Land

Rezension Imbolo Mbue – Das geträumte Land

 

Klappentext:

Jende Jonga hat es endlich geschafft, seine Frau und seinen kleinen Sohn aus Kamerun nach Amerika zu holen. Das Glück scheint komplett, als Jende den Job als Chauffeur von Clark Edwards, einem Manager der Lehmann Brothers Bank, ergattert. Und Mrs Edwards engagiert Jendes Frau sogar als Haus- und Kindermädchen in ihrem Sommerhaus in den Hamptons. Die beiden Familien könnten unterschiedlicher nicht sein und wollen doch dasselbe: ihren Kindern eine gute Zukunft bieten. Allerdings ist das Leben der Bankerfamilie längst nicht so perfekt und glamourös, wie es zunächst scheint. Als Lehman Brothers pleitegeht, ist die Fassade nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Die Jongas versuchen verzweifelt, Jendes Job zu retten – auch um den Preis ihrer Ehe. Das Leben der beiden Paare wird dramatisch auf den Kopf gestellt und Jende sieht sich gezwungen, eine unmögliche Entscheidung zu treffen.

Das geträumte Land

Meinung:

2008 steuert die Finanzkrise auf einen ihrer Höhepunkte zu: Den Konkurs der Lehman Brothers. Dort arbeitet Clark Edwards in einer leitenden Position. Doch nicht er steht im Mittelpunkt dieses Romans, sondern sein Chauffeur Jende Jonga. Jende ist aus Kamerun eingewandert, wartet darauf, dass sein Asylantrag akzeptiert wird und hat zwischenzeitlich seine Frau und seinen Sohn nach Amerika nachgeholt. Das Leben der Jongas scheint auf den ersten Blick entbehrungsreich, verglichen mit ihrem Leben in Kamerun aber reicher. Doch trotz der räumlichen Distanz zur Heimat lassen sich alte Gewohnheiten und Erziehungen nicht abstellen. Und so stellt sich nach und nach die Frage, ob der amerikanische Traum wirklich das Ziel aller Dinge sein kann.

Ich habe diesen Roman mit einem besonderen Hintergrund lesen können. Dank der Familie meines Mannes habe ich tatsächlich selber ein wenig Bezug zu dem Land Kamerun. Und so kenne ich mittlerweile ein paar Kameruner, habe Geschichten und Einblicke in die kamerunische Mentalität erhalten und somit viele Vergleichspunkte zu den Situationen und dem Leben der Afrikaner finden können. Imbolo Mbue bringt die Einstellungen zu Familie und das Leben in Kamerun sehr präzise näher, zeigt die Eigenarten ihrer Landsleute mit all ihren positiven und negativen Seiten. Und schafft es, dass der westliche Leser ein wenig Verständnis für ihr Volk aufbringen kann. Familie geht über alles, ebenso wie der Stand und die Verhältnisse, in die man hinein geboren wurde. Und auch wenn viele Handlungen bei uns für Kopfschütteln sorgen, so zeigt sich doch die enge Verbundenheit der Familien dort untereinander. In einem klugen Kontext vergleicht Mbue hier die verschiedenen Lebensstile, erzählt aber auch eine Geschichte über die Frauen ihres Landes. Es war nicht immer leicht, alles zu akzeptieren, wie es hier Roman verläuft, aber es macht das Buch sehr realistisch und regt zum Nachdenken an.

Die Protagonisten im Roman sind zum Teil großartig ausgearbeitet. Mühelos gelingt es, sich in Jende und seine Frau Neni hineinzuversetzen. Ein wenig schwieriger wird es hier mit den amerikanischen Figuren, allen voran Mr. und Mrs. Edwards, doch auch nach der anfänglichen Kühle, die beide ausstrahlen, wird der Zugang zu ihren Rollen nach und nach leichter. Erzählt wird der Roman in der dritten Person, die Blickwinkel wechseln sich zwischen Jende und Neni ab. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, sind öfters auch mal etwas kürzer. Imbolo Mbue schafft es ganz gut, bis zur Mitte des Romans die Spannung zu halten, danach flaut die Geschichte ein wenig ab, nimmt dann aber doch noch einmal Fahrt auf, um das Finale einzuläuten.

 

Fazit:

Das geträumte Land ist vor allein ein Roman der Kontraste: Kamerun gegen die USA, Reich gegen Arm, Schwarz gegen Weiß… Aber dieses Buch erzählt auch von Werten, von Familien und Kulturen, von Ansichten und Einsichten vor einem immer aktuellen Hintergrund. Die Autorin schafft Verständnis für ihre Wurzeln und zeigt ebenso die Schattenseiten von zwei Kulturkreisen auf, wie auch deren Stärken.

Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.

4 Punkte

 

Preis

Gebunden: 22,00 Euro

 

Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag
ISBN: 978-3-462-04796-7
Seitenzahl: 432
Übersetzer: Maria Hummitzsch

Quelle: http://www.kiwi-verlag.de/buch/das-getraeumte-land/978-3-462-04796-7/

Vielen Dank an den Kiepenheuer & Witsch Verlag für das Rezensionsexemplar.
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3 Gedanken zu “Mbue, Imbolo: Das geträumte Land

  1. Pingback: Imbolo Mbue: Das geträumte Land [Rezension] | Tintenhain

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