Zange, Julia: Realitätsgewitter

Rezension Julia Zange – Realitätsgewitter

 

Klappentext:

Marlas Leben ist ein einziges Realitätsgewitter. Wenig Sex, viel iPhone. Viel Bewegung, wenig Sicherheit. Sehr globalisiert, aber immer noch ganz schön deutsch. Marla funktioniert perfekt. Sie hat immer die richtige Maske auf. Doch plötzlich bekommt ihr hochglänzender Panzer kleine Brüche. Plötzlich ist da eine schwere Traurigkeit, die langsam von ihrem Bauch nach oben spült. Um nicht zu ertrinken, macht sie sich auf den Weg zurück in ihr Heimatdorf. Und landet schließlich auf Sylt. Eine Reise ins Erwachsenwerden und zu sich selbst.

Realitätsgewitter

Meinung:

Was hält das Leben für einen bereit? Marla ist Mitte Zwanzig und treibt durch Berlin. Das Studium hat sie abgebrochen, von ihren Eltern erhält sie immer noch finanzielle Unterstützung. Statt einem festen Beruf geht Marla lieber auf Partys. Auf Facebook hat sie über 1000 Freunde, doch wenn sie jemanden braucht, ist keiner für sie da. Doch dann entziehen ihre Eltern ihr die Unterstützung und Marla muss für ihren Unterhalt selbst aufkommen. Marla sieht sich gezwungen, sich mit sich selber und ihrer Familie auseinander zu setzen.

Marla war für mich kein einfacher Charakter. Oft mochte ich sie nicht, ist sie doch sehr selbstbezogen, klammert und jammert, nervt mit ihrem Gehabe und ihrer Einstellung zum Leben. Doch je näher ich Marla kennen lernte, umso mehr tat sie mir doch leid, denn Marla ist ein sehr verlorener Mensch. Ihr fehlt der Rückhalt im Leben durch Freunde und Familie. Und je mehr ich über sie erfuhr, umso klarer wurde mir, wie sie so werden konnte, wie sie ist. Marla polarisiert und stellt somit eine Symbolfigur für eine ganze Generation dar. Die Nebenfiguren im Buch geben Marla den nötigen Rahmen, um sie plastischer darzustellen, ihr Tiefe zu verleihen und ihre Rolle im Buch abzurunden.

Julia Zange nimmt in ihrem Roman viele Themen unters Korn und setzt in klaren, kurzen Sätzen ein Statement zur heutigen Gesellschaft, zu Normen und Sachverhalten. Und sie bringt ihre Ansichten direkt auf den Punkt, ohne groß drum herum zu reden. Überhaupt ist der Erzählstil minimalistisch, aber pointiert. Kein Wort zu viel oder zu wenig. Selten habe ich so gute, treffende Sätze gelesen. Julia Zange hält der Gesellschaft einen Spiegel vor und überlässt es dem Leser, darüber zu entscheiden, was er in diesem sieht.
Die Handlung selber ist straff erzählt, hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf und so passiert doch recht viel auf den wenigen Seiten. Manchmal war es fast schon zu schnell, wie Marlas Leben hier an einem vorbei zieht. Die recht kurzen Kapitel, in denen Marla in der Ich-Perspektive erzählt, was in ihr vorgeht, machen das Buch zu einer sehr kurzweiligen, aber intensiven Lektüre.

 

Fazit:

Selten ist es mir so schwer gefallen, eine Buchbesprechung zu erstellen und die richtigen Worte zu finden. Realitätsgewitter ist intensiv, kurzweilig und auch schockierend. Kurze, prägnante Sätze und treffende Aussagen, Julia Zange weiß, wie sie den Leser erreicht.

Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.

4,5 Punkte

 

Preis

Gebunden: 17,95 Euro

 

Verlag: Aufbau Verlag
ISBN: 978-3-351-03658-4
Seitenzahl: 157

Quelle: http://www.aufbau-verlag.de/index.php/realitatsgewitter.html

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar.
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Ein Gedanke zu “Zange, Julia: Realitätsgewitter

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