Larsen, Reif: Die Rettung des Horizonts

Rezension Reif Larsen – Die Rettung des Horizonts

 

Klappentext:

An einem Apriltag des Jahres 1975 erblickt Radar Radmanovic in New Jersey das Licht der Welt. Nicht weiter ungewöhnlich, hätte der Junge weiße Haut wie seine Eltern und nicht dunkle wie eine Aubergine. Kein Arzt in den USA kann diesen Störfall der Biologie erklären. In der Hoffnung auf Heilung reist die Familie in die norwegische Arktis zu einer mysteriösen Gemeinde von Puppenspielern. Dort experimentiert man mit bestimmten Formen der Elektroschockbehandlung, die es ermöglichen soll, Radars Hautfarbe tiefgreifend zu ändern. Nach der Behandlung ist seine Haut zwar heller, aber er ist Epileptiker, und ist, wie sich im Laufe der Jahre herausstellt, sehr empfänglich für alle Arten von Elektrizität.
Nach und nach finden an vielen Orten der Welt – in Bosnien während des Bürgerkriegs, im postdiktatorischen Kambodscha und im zusammenbrechenden Kongo – ungewöhnliche Kunstperformances statt, mit wie lebendig scheinenden Figuren und Vögeln, entwickelt von den unterschiedlichsten Menschen, die eine Gegenwelt zu Krieg und Gewalt aufbauen wollen. Und Radar, inzwischen erwachsen geworden, ist der ungewollte Mittelpunkt dieser verrückten Bewegung.

Die Rettung des Horizonts

Meinung:

Dies war mein erster Roman des Autors und sein Vorgängerroman Die Karte meiner Träume habe ich bisher leider noch nicht gelesen. Aber die Inhaltsangabe sprach mich an und ich ging in Erwartung eines fantastisch angehauchten Abenteuers an dieses Buch heran.

Die Geschichte startet mit Radars Geburt. Bereits bei dieser spielt die Elektrik verrückt und Radar kommt im Dunkeln zur Welt. Mit Erstaunen stellen die Anwesenden fest, dass Radar schwarz ist, obwohl seine Eltern weiß sind. Radars Mutter sucht daher nach einer Therapiemöglichkeit, um Radar wieder „richtig“ zu machen. Hilfe findet sie dann bei einer Forschergruppe in Norwegen, die Radar mithilfe von Elektrizität „umfärben“. Seine Haut wird dadurch zwar heller, fortan leidet er aber an Epilepsie. Aber nicht nur Radars Geschichte wird hier erzählt, auch andere Figuren rund um die Welt spielen hier eine Rolle, in deren Mittelpunkt Radar und die ominöse Gruppe aus Norwegen zu stehen scheinen.

Das Buch hat es mir nicht leicht gemacht. Lange habe ich gebraucht, um in den Roman hineinzufinden. Auch nach gelesenen 300 Seiten war mir nicht klar, was hier auf mich zukommt und wohin die Geschichte steuern will. Das Buch ist in fünf Teile aufgegliedert und mit jedem neuen Teil fiel es mir immer wieder schwer, mich in die Handlung zu finden. Das lag vor allem an der Handlung selber, weniger am Schreibstil, denn der ist unerwarteter Weise richtig flüssig und gut lesbar. Ein wenig bei Stange haben mich dabei die gut recherchierten Hintergründe in der Geschichte gemacht. So erfährt man hier viel über die Hintergründe des Balkankriegs und auch, wie es zu dem Krieg in Vietnam kam. Aber der Roman ist leider auch sehr technisch und hätte ich beruflich nicht schon ein wenig damit zu tun gehabt, ich hätte wohl angesichts der Thematik früher oder später kapituliert, denn Physik war noch nie meine Stärke.

Die Charaktere sind dicht und tiefgründig aufgebaut. Reif Larsen lässt kein Detail über die Herkunft aus, zeichnet die Familiengeschichte bis ins Kleinste auf und kann die Emotionen und Gefühle gut übermitteln. Radar und die anderen Charaktere haben mich daher gut angesprochen und waren mit ein Grund, in diesem Buch durchzuhalten.

Die Kapitel haben eine angenehme Länge und das Buch ist mit zahlreichen Bildern, Skizzen, Notizen, Zeitungsausschnitten und Dokumenten gespickt. Dadurch gewinnt man den Eindruck, dass jemand hier eine Chronik zusammengestellt hat, besonders da auch immer wieder Fußnoten im Roman zu finden sind. Den Lesefluss stören diese aber nicht. Spannend ist das Buch aber irgendwie schon, denn man möchte dennoch wissen, was hier genau vor sich geht und wie die verschiedenen Handlungsfäden miteinander verknüpft sind, denn am Ende machen die vielen verschiedenen, einzelnen Geschichten ja doch Sinn.

 

Fazit:

Die Rettung des Horizonts hat mich gleichzeitig gelangweilt und gefesselt. Immer wieder fiel mir der Einstieg in einen neuen Teil des Romans schwer, trotzdem hat mich der Schreibstil und die vielen gut recherchierten Hintergründe fasziniert, so dass ich doch am Buch dran geblieben bin. Allerdings ist der Roman auch sehr technisch und physikalisch, man sollte hier also ein wenig Verständnis für die Materie mitbringen, sonst geht der Rest der Lesefreude vollends flöten.

Von mir gibt es 3 von 5 Punkten.

3 Punkte

 

Preis

Gebunden: 26,00 Euro
eBook: 24,99 Euro

 

Verlag: S. Fischer Verlage
ISBN: 978-3-10-002216-5
Seitenzahl: 768
Übersetzer: Malte Krutzsch

Quelle: http://www.fischerverlage.de/buch/die_rettung_des_horizonts/9783100022165

Vielen Dank an die S. Fischer Verlage für das Rezensionsexemplar.
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