Keun, Irmgard: Kind aller Länder

Rezension Irmgard Keun – Kind aller Länder

 

Inhalt aus dem Klappentext:

Irmgard Keun war schon eine Bestsellerautorin, als ihre Bücher in Deutschland verboten wurden. Sie ging ins Exil nach Ostende, traf dort Joseph Roth, begann eine leidenschaftliche Affäre mit ihm – und diesen Roman. Keun lässt die zehnjährige Kully von ihrem aufregenden Leben in der Emigration erzählen. Ihr leichtfertiger, spiel- und verschwendungssüchtiger Vater steckt als Schriftsteller ständig in Geldnöten, die liebevolle Mutter ist oft mit der Tochter allein und amüsiert sich anderweitig. Da seine Bücher in Deutschland verboten sind, lebt der Vater von Zeitungsartikeln und immer neuen Vorschüssen seiner Auslandsverlage – und ist ständig auf der Jagd nach Bargeld. Seine Beschaffungstouren führen ihn quer durch Europa, von Brüssel über Lemberg nach Prag, Paris, Nizza und sogar nach New York. Mutter und Tochter lässt er meist in Hotels zurück, wo Rechnungen zu begleichen und ständig Ausreden gefordert sind.

Kinder aller Länder

Meinung:

Die junge Kully führt ein unstetes Leben in den 1930er Jahren. Ihr Vater, ein eher erfolgloser Schriftsteller, ist Verschwendungssüchtig und die Familie lebt ständig auf Pump. Da er selber oft mit Abwesenheit glänzt, müssen Mutter und Tochter sich mit Ausreden und Versprechungen über Wasser halten. Ein anstrengendes Leben, besonders da die Mutter oft mit der Situation überfordert ist und sich gegenüber ihrem Mann nicht durchsetzen kann. So lässt sie Kully viel allein um sich anderweitig zu vergnügen und der Situation zu entfliehen. Und Kully? Die widmet sich in dieser Zeit ihrer Umgebung, beobachtet das Geschehen um sich herum und hinterfragt mit ihrer kindlichen und doch sehr weitsichtigen Einstellung die Verhaltensweisen der Erwachsenen.

Als Mutter von zwei Kindern war ich entsetzt, wie Kullys Eltern mit ihr umgehen. Zwar merkt man, dass Kullys Vater sie liebt, doch er viel zu sehr mit sich selber beschäftigt um sich mit seiner Tochter angemessen auseinanderzusetzen. Denn Kully ist ein sehr aufgewecktes und kluges Kind, dass zwar auf der einen Seite sehr kindlich und naiv , auf der anderen Seite aber schon sehr weise wirkt aufgrund der Erfahrungen, die sie in ihrem jungen Leben schon gemacht hat. Es ist wirklich erstaunlich, wie stark dieses Kind ist.

Aber auch die realen Hintergründe dieses Romans sind interessant umgesetzt. Durch den kindlichen, naiven und simplen Schreibstil wirkt das Leben von Kully noch bedrückender und emotionaler. Irmgard Keun schildert sehr gut, wie schwer es deutsche Emigranten in den 30er Jahren hatten und wie sehr der Nationalsozialismus schon das Leben der Menschen einschränkt. Hinzu kommen noch die Nöte der Familie und deren finanzielle Situation. Die Kapitel im Buch sind recht kurz gehalten, jedoch nur durch Absätze erkennbar. Wie schon gesagt ist der Schreibstil sehr einfach gehalten und wirkt gerade dadurch umso intensiver nach, wenn Kully ihre Erlebnisse aus ihrer eigenen Sicht schildert. Kullys Lebensweisheiten bringen ebenso große Tragik, aber auch viele heitere Momente in dieses Buch.

Vielen Dank an den Kiepenheuer & Witsch Verlag für das Rezensionsexemplar

 

Fazit:

Kind aller Länder ist bereits 1938 erstmals erschienen, die Neuauflage bei Kiepenheuer und Witsch zeigt aber, dass dieses Buch immer noch aktuell ist und auch heutzutage noch seine Leser anspricht. Kullys Reise und ihr Leben haben mich berührt und erschüttert, aber auch erheitert und bewegt.

Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.

5 Punkte

 

Quelle: http://www.kiwi-verlag.de/buch/kind-aller-laender/978-3-462-04897-1/

 

Preis

Gebunden: 17,99 Euro
eBook: 15,99 Euro

 

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04897-1
Seitenzahl: 224

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