Izquierdo, Andreas: Romeo und Romy

Rezension Andreas Izquierdo – Romeo & Romy

 

Inhalt aus dem Klappentext:

Romy könnte eine große Schauspielerin sein, aber niemand sieht sie, denn sie ist nur die Souffleuse. Aber auch das nicht lange, denn nach einem harmlosen Flirt mit Hauptdarsteller Ben, dessen einzige schauspielerische Glanzleistung sein Auftritt als »Frischedoktor« in einem Waschmittelspot ist, wird sie gefeuert. Und Ben kurz nach ihr.
Romy kehrt zurück in ihr winziges Dorf, um dort ihr Erbe anzutreten. Hier leben nur noch Alte. Und die haben sich in den Kopf gesetzt, rasch das Zeitliche zu segnen, denn auf dem Friedhof sind nur noch zwei Plätze frei. Wer da zu spät kommt, muss auf den Friedhof ins Nachbardorf. Und da gibt es – wie jeder weiß – nur Idioten.
Romy schmiedet einen tollkühnen Plan: Sie will mit den Alten ein elisabethanisches Theater bauen. Aus der gammeligen Scheune hinter ihrem Hof. Und mit ihnen Romeo und Julia auf die Bühne bringen. Sie haben kein Geld, keine Erfahrung, aber einen Star: Der »Frischedoktor« soll Regie führen! Ben ist begeistert: Regisseur! Das könnte unter Umständen der erste Job werden, den er nicht voll gegen die Wand fährt …

Romeo und Romy

Meinung:

Eigentlich wollte Romy eine große, bekannte Schauspielerin werden, ihre letzte Anstellung aber endet als Souffleuse in einer Shakespeare-Produktion. Und da die Premiere alles andere als reibungslos verläuft, ist Romy die erste, die ihren Job verliert, kurz darauf gefolgt von Ben, dem leicht selbstverliebten Schauspieler, der auch bekannt als „Frischedoktor“ aus der Werbung ist. Dann stirbt auch noch Romys geliebte Großmutter Lene, woraufhin sie in ihr Heimatdorf zurückkehrt, um dort ihr Erbe anzutreten und ihre Wunden zu lecken. Doch in Großzerlitsch ist auch nicht alles beim Alten. Denn auf dem örtlichen Friedhof sind nur noch zwei Plätze vorhanden und jeder der alten Leutchen dort würde gerne einen der beiden für sich beanspruchen, denn im Nachbarort Kleinzerlitsch will keiner seine letzte Ruhe antreten. Als Romy mitbekommt, wie einfallsreich ihre alten Leute versuchen, diesen Platz zu ergattern, muss ein Plan her, um die Herrschaften von ihren Todessehnsüchten abzulenken. Romy möchte ihre Scheune in ein elisabethanisches Theater umbauen und mit ihren Alten das Stück „Romeo und Julia“ aufführen. Und die Regie soll ausgerechnet Ben führen…

Romy hat ihre Mutter schon früh verloren, ihren Vater hat sie nie kennengelernt. Deshalb wurde sie von ihrer Großmutter und dem Rest des Dorfes aufgezogen, die weitestgehend alle im Alter ihrer Großmutter sind. Alle haben hohe Erwartungen an Romy und sie schämt sich, dass sie diesen nicht gerecht geworden ist. Ist Romy anfangs sehr zurückhalten, kommt sie nach und nach mehr aus sich heraus und es zeigt sich, dass Romy doch ganz schön Temperament hat. Auch die recht schrulligen Dorfbewohner wirken insgesamt sehr liebenswert und sind gut ausgearbeitet. Ben wirkt anfangs sehr selbstverliebt und wie ein Aufschneider, der sich durch das Leben schmeichelt. Aber auch ihm wird einiges an Tiefe im Verlauf der Handlung zugedacht. Überhaupt hat mir die Figurenentwicklung sehr gut gefallen. Sie kommt glaubhaft und dem Zeitrahmen angemessen rüber.

Die Kapitel sind insgesamt recht kurz gehalten, das Buch selber in mehrere Teile ausgegliedert, ganz so, als ob man ein Bühnenstück liest. Erzählt wird die Geschichte in der dritten Person, wobei der Hauptblickwinkel auf Romy gerichtet bleibt. Aber auch andere Protagonisten dürfen ihre Sicht mit einbringen. Ab und an gibt es auch Rückblicke in die Vergangenheit, so dass Ereignisse und Fragen aus der Gegenwart geklärt werden und ein schlüssiges Bild auf die Geschichte geben.
Bei diesem Roman hat mich das Phänomen von „Ich lese nur mal kurz rein..“ ereilt und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Andreas Izquierdo hat einen so schönen, einnehmenden Schreibstil. Detailliert und ausschmückend, aber auch pointiert und vor allem unterhaltsam fesselt der Autor seine Leser an das Buch. An vielen Stellen hat der Roman mich zum Schmunzeln, oft auch zum Lachen gebracht, aber er hat mich auch berührt, denn das Schicksal der Dorfbewohner hat mich nicht kalt gelassen und ich habe mich schon fast als Mitglied in Großzerlitsch gefühlt. Gerade das macht den Charme dieses Buches aus, denn man hat das Gefühl, dass sämtliche Geschichten und Ereignisse genauso gut vor der eigenen Haustür hätten passieren können. Wer kennt z. B. nicht den kleinkarierten Beamten, der selbst in der klarsten Suppe noch ein Haar findet? Und die vielen Shakespeare-Anspielungen machen glatt Lust, das Original von Romeo und Julia noch einmal zu lesen 🙂
Was mir aber an diesem Buch wohl am besten gefallen hat ist, dass nicht die Liebesgeschichte im Vordergrund steht, sondern die Entwicklung der Protagonisten. Andreas Izquierdo zeigt hier wunderbar, dass Familie nicht immer etwas mit Blutsverwandtschaft zu tun haben muss.

Vielen Dank an vorablesen.de und Insel Taschenbuch für das Rezensionsexemplar.

 

Fazit:

Romeo und Romy erzählt nicht nur eine amüsante Liebesgeschichte, sondern widmet sich vor allem seinen Figuren und deren jeweiligen Glück und Träumen. Denn ein wenig Großzerlitsch findet sich schließlich überall. Und es zeigt sich, wie wichtig doch das menschliche Miteinander ist. Witzig, rührend, unterhaltsam und nachdenklich stimmend, für mich wird es definitiv nicht das letzte Buch von Andreas Izquierdo gewesen sein.

Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.

 

Quelle: http://www.suhrkamp.de/buecher/romeo_und_romy-andreas_izquierdo_36141.html

 

Preis

Klappenbroschur: 14,99 Euro
eBook: 12,99 Euro

 

ISBN: 978-3-458-36141-1
Seitenzahl: 491

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6 Gedanken zu “Izquierdo, Andreas: Romeo und Romy

  1. Pingback: *Rezension* Romeo & Romy / Andreas Izquierdo | super.lese.helden

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