Kuttner, Sarah: 180° Meer

Rezension Sarah Kuttner – 180° Meer

 

Inhalt aus dem Klappentext:

Nachdem ihr Vater die Familie verlassen hat, ist Jule mit ihrem Bruder und ihrer selbstmordgefährdeten Mutter aufgewachsen. Als Erwachsene hat sie sich einen Alltag geschaffen, in dem sie alles nur noch irgendwie erträgt: ihren Job als Sängerin, die unzähligen Anrufe ihrer Mutter, den ganzen Hass in ihr, der sie fast verschwinden lässt. Als auch ihre Beziehung zu bröckeln beginnt, flieht sie zu ihrem Bruder nach England, auf der Suche nach Ruhe und Anonymität.
Doch dort trifft sie auf ihren Vater, der im Sterben liegt. Zaghaft beginnt Jule einen letzten Versuch, sich dem Mann anzunähern, von dem sie sich ihr Leben lang im Stich gelassen gefühlt hat.

Eine tragikomische Road-Novel über das komplizierte Verhältnis zu den eigenen Eltern und den Wunsch, Urlaub von sich selber machen zu können.

180° Meer

Meinung:

Sarah Kuttner ist für mich keine Unbekannte. Bereits bei MTV habe ich seinerzeit immer gerne ihre Show gesehen. Dass sie auch schreibt, war mir ebenfalls schon länger bekannt, aber leider hatte es sich bisher nicht ergeben, eines ihrer Bücher zu lesen. Jetzt habe ich das endlich nachholen können und kann direkt sagen, dass es definitiv nicht mein letztes Buch von ihr sein wird.

In diesem Roman begleiten wir Jule, die in Berlin wohnt und als Sängerin eines Soul-Duos ihren Lebensunterhalt verdient. Mit Tim führt sie eine für sie solide Beziehung und alles könnte so in Ordung sein, wäre da nicht ihre depressive Mutter, die sie immer wieder runter zieht und ihre damit einhergehende Unzufriedenheit über das Leben. Der Vater hat die Familie verlassen und Jule konnte nie ein gutes Verhältnis zu ihm aufbauen. Das er Jule mit ihrem kleinen Bruder und ihrer kranken Mutter zurück gelassen hat, kann und will sie ihm nicht verzeihen. Denn Jule musste dadurch viel zu früh erwachsen werden. Doch die Welt um Jule gerät ins Wanken und sie flieht daraufhin zu ihrem Bruder nach London. Dort erfährt sie, dass ihr Vater unheilbar erkrankt ist. Aber ist Jule schon bereit, sich ihrer Vergangenheit zu stellen?

Jule ist wirklich keine einfache Protagonistin. Sie ist verbohrt, zornig und wütend, aufbrausend und manchmal richtig zickig. Aber ihr Charakter ist schonungslos ehrlich und hat mich dadurch tief berührt, da ich so viel von mir selber auch in ihr wiederfinden konnte. Zwar kann ich sagen, dass Jule und ich uns charakterlich nicht wirklich ähnlich sind, aber doch gibt es so viele Gedanken und Erfahrungen bei ihr, die ich nachvollziehen konnte und in denen ich mich erkannt habe. Selten konnte ich mich so gut in einen Charakter hineinversetzten und ich denke, dass wird noch anderen so gehen, denn die Autorin schafft es, dem Leser einen Spiegel vors Gesicht zu halten und über seine eigenen Erfahrungen nachzudenken.

Auch erzählerisch hat Sarah Kuttner mich begeistern können. Ihr Roman hält genau die richtige Balance, sie erzählt nicht zu ausschweifend, liefert aber genügend Informationen um sich ein gutes Bild über die Handlung und die Szenen zu machen. Die Ich-Perspektive lässt uns ganz nah an Jules Leben, ihre Gefühle und Gedanken heran und die leichte Melancholie, die die Seiten durchzieht, hat auch mich eingefangen. Aber das Buch ist nicht nur zornig, es ist auch hoffnungsvoll und letztendlich einfach nur ehrlich und realistisch. Das Ende hat mich sogar ein wenig überraschen können, auch wenn ich mich so einem Ausgang der Geschichte gerechnet habe.

Vielen Dank an die S. Fischer Verlage für das Rezensionsexemplar.

 

Fazit:

Schonungslos und ehrlich wird man in diesem Buch mit unbequemen Fragen, die einen selber betreffen können, konfrontiert. Selten hat mich ein Buch so direkt ansprechen können und selten habe ich mich so sehr in einem Buchcharakter wiederfinden können. Jules Geschichte ist besonders, aber leider auch alltäglich, was den Roman erschreckend real macht. Wer das Buch gelesen hat, wird wissen, was ich meine 😉

Von mir gibt es 5 von 5 Punkten und eine ganz klare Leseempfehlung.

 

Quelle: http://www.fischerverlage.de/buch/180_grad_meer/9783100024947

 

Preis

Gebunden: 18,99 Euro

eBook: 16,99 Euro

 

ISBN: 978-3-10-002494-7

Seitenzahl: 272

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3 Gedanken zu “Kuttner, Sarah: 180° Meer

  1. Hallo Vanessa,

    das klingt vielversprechend! Sarah Kuttner kenne ich nur von TV-Ausschnitten, ihre Sendung habe ich damals nicht gesehen, kann deshalb nichts dazu sagen.
    Danke für Deine ehrliche Rezi 🙂

    Liebe Grüße,
    Tanja

  2. Hi Vanessa,
    lieben Dank für die Rezension! Ich habe mich lange nicht an Bücher von Sarah Kuttner herangewagt – eben weil ich sie von MTV her kannte und so sympathisch fand. Ich hatte wohl die Befürchtung, dass sich das ändern könnte, wenn ich ein Buch von ihr lese. Charlotte Roche fand ich im TV zum Beispiel auch toll und das Buch furchtbar 😉 Aber nachdem ich deine Rezi gelesen habe, werde ich mich wohl mal trauen 😀
    Liebe Grüße,
    Anna

    • Hallo Anna,
      Sarah Kuttner kann man definitiv nicht mit Charlotte Roche vergleichen. Frau Roches Bücher haben mich bisher thematisch nicht ansprechen können, deshalb habe ich bisher auch die Finger davon gelassen. Aber Sarah Kuttners Roman ist wirklich toll. Trau dich, es zu lesen 😀
      Liebe Grüße, Vanessa

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