Rehlein, Susann: Die erstaunliche Wirkung von Glück

Rezension Susann Rehlein – Die erstaunliche Wirkung von Glück

 

Inhalt aus dem Klappentext:

Dorle lebt im Souterrain eines herrschaftlichen Hauses, in dem sonst nur wohlhabende, knarzige alte Leute wohnen. In Heimarbeit steckt sie für eine Kronleuchtermanufaktur Kristalle zusammen. Und sie lässt sich von ihren Nachbarn als Concierge missbrauchen, obwohl sie gar nicht die Concierge ist.
Doch Dorle ist genügsam und zufrieden mit ihrem Leben. Ganz im Gegensatz zu Annegret Sonne, vierundachtzig und voller Lebenslust. Als Frau Sonne sich zu einer dreimonatigen Reise aufmacht, bittet sie Dorle, ihre Wohnung zu hüten. Schnell wird klar, dass es sich hier nicht um eine gewöhnliche Wohnung handelt. Sie hat angeblich eine Aura, es lebt ein Kater darin, der Dinge kann, die normale Kater nicht können und per Fax treffen Aufgaben für Dorle ein, die sie an den Rand des Wahnsinns bringen. Sie muss zum Sport, zu jemandem unfreundlich sein und kochen. Sogar Dates hat sie plötzlich. Gut, die Männer sind alle über achtzig, aber sie verstehen etwas von der Liebe. So hat Joe, Dorles einziger Freund, alle Hände voll zu tun, um im Rennen zu bleiben.

PS: Wurde Henriette Schräubchen schon erwähnt? Nur so viel: Sie hat rosa Haare, kann Gedanken lesen und spielt eine nicht unwesentliche Rolle in dieser Geschichte.

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Meinung:

Was macht man, wenn das Leben einem bisher nur gelehrt hat, sich ruhig und bedeckt zu halten und die Nachbarin beschließt, einen aus dem Trott herauszuholen? Dieser spannenden Frage geht Die erstaunliche Wirkung von Glück nach.

Dorle ist Mitte zwanzig und lebt in einer Kellerwohnung eines einstmals herrschaftlichen Hauses. Dass Dorle von den anderen Hausbewohnern, die alle bereits das Rentenalter erreicht haben, als neue Concierge angesehen wird, kommt Dorles zurückhaltendem Wesen sehr entgegen. Leider danken es ihr die Bewohner des Hauses nicht wirklich. Ihre Arbeit wird als selbstverständlich angesehen und Dorle ist nicht mutig genug, um für sich und ihre Wünsche einzustehen. Sie hat sich mit ihrem einfachen und einsamen Leben abgefunden, da kann auch ihr Lieferant Joe nichts dran ändern. Doch Frau Sonne aus dem 5. Stock beschließt, Dorle aus ihrer Einsamkeit zu holen und ihr zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen. Dorle soll für 3 Monate in ihre Wohnung einziehen und diese hüten. Außerdem erhält sie Aufgaben von Frau Sonne, die sie zu erledigen hat, andernfalls platzt der Deal. Eher zaghaft nimmt Dorle das Angebot an und muss feststellen, dass seine eigenen Grenzen zu erweitern nicht immer angenehm ist, aber auch extrem befreiend sein kann.

Dorle ist ein wirklich sehr zurückgezogener, leicht depressiver Charakter. Sie hat nie gelernt, sich für ihre Wünsche und Bedürfnisse einzusetzen. Zurückhaltung und Folgsamkeit wurden ihr schon früh anerzogen und so ist es kein Wunder, dass Dorle wie ein Fußabtreter behandelt wird. Doch Dorle entwickelt sich in diesem Buch natürlich weiter und es hat mir sehr gut gefallen, wie die Autorin das umgesetzt hat. So muss Dorle auch einige Rückschläge in Kauf nehmen, was das Buch glaubhafter macht und aufzeigt, wie schwierig es ist, sich von alten Mustern zu trennen.

Die Geschichte ist wirklich schön und macht Mut. Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist der Erzählstil, der mir mitunter zu distanziert wirkte und dafür gesorgt hat, dass ich nicht immer direkt mit Dorle überein kam. Das Buch musste ich nach den einzelnen Passagen erst mal etwas sacken lassen, bis sich mir diese dann vollständig erschlossen hatten. Anderseits hat es aber dazu geführt, dass ich mir viele Gedanken zu der Geschichte gemacht habe. Ansonsten gibt es aber wenig zu meckern. Die Handlung ist interessant und unterhaltsam aufgebaut und ich bin gerne bis zur letzten Seite dran geblieben, ohne großes Verlangen, das Buch aus der Hand zu legen. Die mitunter skurrilen Hausbewohner und die anderen Protagonisten rund um Dorle haben mich oft zum Schmunzeln gebracht und den Roman somit gut abgerundet und für ein wenig Wohlfühlflair gesorgt. Erzählt wird die Geschichte in der dritten Person, die Sichtweise bleibt dabei auf Dorle beschränkt. Die Kapitel sind als solche nicht wirklich gekennzeichnet, aber gut unterteilt durch einen schönen Kristall. Außerdem wird der Leser bei großen Änderungen in Dorles Leben direkt von der Autorin angesprochen, was mir als Stilmittel gut gefallen hat.

Vielen Dank an den DuMont Buchverlag für das Rezensionsexemplar.

 

Fazit:

Susann Rehlein zeigt in diesem faszinierenden Roman, wie schwierig es ist, sich von alten Mustern zu trennen und wie befreiend es sein kann, sich selber mal etwas Gutes zu tun. Liebeswerte und skurrile Charaktere bringen besonderen Charme in die Geschichte und ich hatte ein paar sehr schöne Lesestunden mit diesem Buch. Einzig der etwas distanzierte Schreibstil hat mich manchmal etwas verwirrt.

Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.

 

Quelle: http://www.dumont-buchverlag.de/buch/Susann_Rehlein_Die_erstaunliche_Wirkung_von_Glueck/16067

 

Preis

Gebunden: 18,00 Euro

eBook: 14,99 Euro

 

ISBN: 978-3-8321-9806-0

Seitenzahl: 320

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