Catton, Eleanor: Die Gestirne

Rezension Eleanor Catton – Die Gestirne

 

Inhalt aus dem Klappentext:

In einer Hafenstadt an der wilden Westküste Neuseelands gibt es ein Geheimnis. Und zwei Liebende, die einander umkreisen wie Sonne und Mond.

Als der Schotte Walter Moody im Jahr 1866 nach schwerer Überfahrt nachts in der Hafenstadt Hokitika anlandet, trifft er im Rauchzimmer des örtlichen Hotels auf eine Versammlung von zwölf Männern, die eine Serie ungelöster Verbrechen verhandeln. Und schon bald wird Moody hineingezogen in die rätselhaften Verstrickungen der kleinen Goldgräbergemeinde, in das schicksalhafte Netz, das so mysteriös ist wie der Nachthimmel selbst.

Die Gestirne von Eleanor Catton

Meinung:

Eleanor Catton ist die bisher jüngste Booker-Preisträgerin und geht mit diesem Roman ein besonderes Experiment ein. Die Handlung richtet sich nach Planetenbewegungen und orientiert sich an den sich daraus resultierenden Horoskopen. Allein diese Herangehensweise hat mich schon neugierig auf den Roman gemacht, und natürlich ebenso die Handlung.

Denn diese liest sich wie ein Krimi, bei dem sich nach und nach die Ereignisse verknüpfen und zu einem großen Gesamtbild reifen. Der ehemalige Goldschürfer Crosbie Wells wird Tod aufgefunden, die Hure Anna Wetherell ohnmächtig aufgefunden und der junge Emery Staines verschwindet. In Wells Hütte findet man viel Gold, auf das kurze Zeit die angebliche Witwe des Verstorbenen Anspruch erhebt. Aber wo kommt das Gold her? Und wie hängen die Ereignisse zusammen? Was geschah wirklich in der verhängnisvollen Nacht des 14. Januar 1866? Kann der erst kürzlich eingereiste Anwalt Moody helfen, die Geschehnisse aufzuklären? Man merkt schon, es stellen sich viele Fragen in diesem Roman ein.

Eleanor Catton hat ihre Figuren sehr gut ausgearbeitet, die Protagonisten sind vielschichtig, weisen Makel und Kanten auf und sind mal mehr, mal weniger sympathisch. Dabei schafft es die Autorin, die Neugier auf die Charaktere hoch zu halten und man rätselt bis zur letzten Seite, welche Beweggründe die einzelnen Personen antreiben. Manchmal fiel es mir schwer, die Personen einzuschätzen und ihr habe mich über deren Verhaltensweisen gewundert. Aber insgesamt hat Catton doch alles zu einem runden Abschluss gebracht und letztendlich durch diese Herangehensweise meine Neugier aufrechtgehalten.

Es ist faszinierend, wenn man weiß, was für eine Arbeit die Autorin hier hineingesteckt hat. Das Buch ist komplex, vielschichtig und spannend. Leider aber auch langatmig auf den ersten paar hundert Seiten, denn dort werden die Ereignisse des 14. Januars aus verschiedensten Sichten erzählt. Dabei kommt es zu etlichen Wiederholungen, bei denen man aber immer wieder neue Details erfährt,. So erschließen sich einem nach und nach die Ereignisse und man durchschaut immer besser, was hier vor sich geht. Ein wenig zäh hat das Anfangsgeschehen auch die Dialoglastigkeit gemacht, die in einer der damaligen Zeit angemessenen Sprache durchgeführt wird. Somit hat es ein wenig Einlesezeit bedurft. Dafür hat mir der Sprachstil aber unheimlich gut gefallen. Die Geschichte ist ausführlich, aber einnehmend erzählt. Eleanor Catton legt viel Wert auf Einzelheiten und Ausschmückungen, kann diese aber unterhaltsam einbringen und sorgt somit für einen doch insgesamt flüssigen Lesefluss, sieht man mal vom ersten Teil des Buches ab. Ich konnte mir das damalige Neuseeland ziemlich gut vorstellen kann. Sehr gut gefallen hat mir auch, dass jedes Kapitel mit einer Zusammenfassung dieses beginnt, deren Sinn sich aber erst im Verlauf des Kapitels ergibt. Oft kam es vor, dass ich nach dem Kapitelende einfach nochmal zurückblätterte und die Einleitung durchlas, um dann zustimmend zu nicken. Erzählt wird der Roman in der dritten Person, die Sichtweise wechselt dabei zwischen sämtlichen im Buch vorkommenden Charakteren. Das Buch ist in 12 Teile unterteilt, die im Verlauf des Buches immer kürzer werden, ganz wie ein abnehmender Mond. Die jeweiligen Unterkapitel sind unterschiedlich lang, werden aber immer mit einem Verweis zum vorherrschenden Horoskop eingeleitet.

Vielen Dank an den btb-Verlag für das Rezensionsexemplar.

 

Fazit:

Ich habe großen Respekt vor der Arbeit der Autorin (und der Übersetzerin), die hier mit viel Liebe zu den Details einen wirklich spannenden Roman um zwei Liebende und den Goldrausch im Neuseeland der 1860er Jahre erschaffen  und alles in Zusammenhang mit Sternenkarten und Horoskopen gesetzt hat. Wer sich von dem Erzählstil mit den Wiederholungen im Geschehen und dem Umfang des Buchs nicht abschrecken lässt, wird hier einen wirklich besonderes Buch vorfinden.

Von mir gibt es 4 von 5 Punkten

 

Quelle: http://www.randomhouse.de/Buch/Die-Gestirne-Roman/Eleanor-Catton/e454687.rhd

 

Preis

Gebunden: 24,99 Euro

eBook: 19,99 Euro

 

ISBN: 978-3-442-75479-3

Seitenzahl: 1040

Übersetzer: Melanie Walz

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Ein Gedanke zu “Catton, Eleanor: Die Gestirne

  1. Ich wollte das Buch auch lesen, aber die Dicke schreck mich doch sehr ab. ^^ ich warte mal ab, wie gut das Buch wirklich ankommt, da ich von den Buchpreisen nicht wirklich was halte, meist sind die bücher richtig trocken.
    Liebe Grüße,
    Sarah

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