Hartwell, Katharina: Das fremde Meer

Rezension Katharina Hartwell – Das fremde Meer

Inhalt:

Dieses Buch ist eine Reise: in die Salpetrière, die Pariser Psychiatrie, in der Sigmund Freud Schüler bei Charcot war; in den Winterwald, aus dem eine gelangweilte Prinzessin einen Prinzen retten will; in die Wechselstadt, in der ganze Häuser als „Mobilien“ durch die Stadt wandern; in die Geisterfabrik, wo Seelenfragmente zu Spiritografien verarbeitet werden… Zehn Kapitel, zehn mal die Geschichte von Marie und Jan. Marie gehört zu den Menschen, die glauben, dass Katastrophen immer nur die treffen, die nicht auf sie vorbereitet sind. Sie rechnet darum stets mit dem Schlimmsten – und behält recht: Sie ist eine Außenseiterin, ängstlich, verzweifelt, meist stumm und voller Sehnsüchte. Womit sie nicht rechnet? Gerettet zu werden, von Jan, der so anders als sie selbst scheint. Von ihm fühlt Marie sich gefunden, miteinander teilen sie Geheimnisse, stille Stunden und wache Nächte. Doch ganz traut sie ihrem Glück nicht, denn sie weiß: »man kann alles trennen, teilen und spalten, sogar ein Atom«. Was haben Marie und ihre Geschichten dem Schicksal entgegen zu setzen? Kann die Literatur ein Leben retten? Kann sie erzählen, wofür es keine Worte gibt? Katharina Hartwells magischer Debütroman erzählt von der Rettung einer Liebe und eines Lebens, er erzählt von allen Zeiten und allen möglichen Welten. Nicht zuletzt ist »Das Fremde Meer« die Rettung durch das Erzählen selbst – und darum all das, was Literatur vermag.

Das Fremde Meer

Meinung:

Dieses Buch hatte ich schon länger auf dem Radar. Aufmerksam geworden bin ich darauf beim SWR3 Lesetag vor einigen Monaten. Da es bisher aber nur als Hardcover verfügbar war, blieb es aufgrund des Preises erst mal auf dem Wunschzettel stehen, bis es jetzt als Taschenbuch rauskam und besser in mein Budget passt.

Das Buch erzählt im Großen und Ganzen die Geschichte von Marie und Jan, die sich kennen und lieben lernen. Jeder für sich hat mit seinen Dämonen und Problemen zu kämpfen. So entspinnt sich daraus ein Buch in 10 Geschichten, die auf den ersten Blick jeweils eine eigene Story erzählen. Schnell merkt man aber, dass die Geschichten aufeinander aufbauen und ineinander greifen und so als Metaphern für Maries und Jans persönliche Probleme stehen und deren Kampf um die Unwägbarkeiten des Lebens.

Die einzelnen Geschichten sind sehr fantasievoll, spielen in der realen Welt wie auch in fiktiven Welten und reichen von verschneiten Winterwäldern, über wandelnde Städte, einem Schiff auf dem Meer bis hin zu einer Psychiatrie in Paris. Sowieso ist das Meer hier eines der zentralen Themen im Buch. Immer wieder treffen die zwei Hauptprotagonisten aufeinander und müssen sich jedes Mal aufs Neue einem schier übermächtigen Gegner stellen.

Scheint man nach und nach ein Muster erkennen zu können, lassen einen dann die Ereignisse im realen Leben wieder daran zweifeln. Immer wieder habe ich über die Hintergründe der Handlung nachgegrübelt, um dann doch wieder überrascht zu werden, da es sich ganz anders verhält. Das Ende des Buches hat mich dann ziemlich kalt erwischt, da ich diese Auflösung der Geschichte so nicht habe kommen sehen.  Ich bin auch jetzt noch immer gefesselt von diesem Buch und gedanklich gehe jeder Geschichte nach, um die Hinweise herauszufiltern. So viel kann ich schon mal verraten: jede Story ist nachvollziehbar und macht Sinn, wenn man das große Ganze durchschaut hat. Deshalb verrate ich hier nicht mehr über den Inhalt. Den sollte jeder für sich selber entdecken.

Die Protagonisten in diesem Buch sind recht eigenwillig und manchmal war ich nicht immer von Marie und Jan und ihren Eigenheiten angetan. Beide sind sehr schwermütige, ins depressive neigende Figuren, die Einsamkeit und Distanz umgibt. Trotzdem berührt die Lebens- und Liebesgeschichte einen ungemein und der Tränenfaktor war zeitweise echt hoch.

Der Schreibstil in diesem Buch war für mich anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Grundsätzlich wird aus der Ich-Perspektive aus Maries Sicht erzählt, die Geschichte werden meist aus der allwissenden Erzählersicht wiedergegeben, allerdings so, als ob man immer noch das Gefühl hat, als stände ein Ich-Erzähler dahinter. Ich weiß leider nicht, wie ich es besser ausdrücken soll. Am besten stellt man sich das so vor, als würde einem jemand eine Geschichte vortragen. Wie gesagt, es ist gewöhnungsbedürftig, aber man findet sich rein und es ist für dieses Buch die am besten gewählte Erzählform.

Auf dieses Buch muss man sich einlassen und sollte sich Zeit nehmen, es auf sich wirken zu lassen. Definitiv kein Buch für mal kurz zwischendurch.

 

Fazit:

Berührend, märchenhaft und magisch nimmt dieses Buch einen auf eine fantastische Reise mit, die mit seinem Ideenreichtum und Einzigartigkeit begeistern und zu Tränen rühren kann. Für mich war es eines der schönsten Bücher, die ich bisher gelesen habe.

Ganz klar 5 von 5 Punkten.

 

Quelle: http://www.berlinverlag.de/buecher/das-fremde-meer-isbn-978-3-8333-0990-8?tx_auwpiper_bookdetail%5Bauthor%5D=

 

Preis

Taschenbuch: 10,99 Euro

eBook: 16,99 Euro

 

ISBN: 978-3833309908

Seitenzahl: 576

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4 Gedanken zu “Hartwell, Katharina: Das fremde Meer

  1. Hmmm das klingt spannend. Macht auf jeden Fall neugierig. Habs mal auf meine Wunschliste gesetzt. Ist das wirklich gut? 🙂 Kann auch ein super schönes Buch empfehlen mit kurzgeschichten, die alle miteinander verwoben sind. Von Mia Bernstein „Erdbeerflecken“ So wunderschön. 🙂 Liebe Grüße.

    • Hi Netti,

      ja, ich kann das Buch nur empfehlen. Gerade weil es mal was anderes ist, ist dieses Buch was Besonderes. Erdbeerflecken schaue ich mir mal genauer an. Vielen Dank für den Tipp!

      LG Vanessa

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